Kassen kritisieren IGeL-Angebote der Ärzte

Frauenärzte, Augenärzte und Orthopäden bieten am häufigsten ihren Patienten Leistungen an, die nicht von den Krankenkassen übernommen werden. Nach Ansicht der Kassen sind nur wenige davon positiv zu bewerten.

Der Medizinische Dienst des Spitzenverbandes der Krankenkassen (MDS) nimmt regelmäßig die sogenannten individuellen Gesundheitsleistungen (IGeL) unter die Lupe und ordnet ihre Wirkung von positiv über unklar bis negativ ein.

Nach den gestern veröffentlichten Daten des IGeL-Monitors wirken sich von 41 Angeboten nur drei für die Patienten „tendenziell positiv“ aus. Die übrigen Untersuchungen und Therapien werden mit „unklar“, „tendenziell negativ“ oder gar „negativ“ gekennzeichnet.

„Für manche Facharztgruppen ist Igeln zum Volkssport geworden“, kritisierte MDS-Geschäftsführer Peter Pick. Bei den IGeL-Angeboten gehe es um den Verkauf von Leistungen. Die Information und Aufklärung gerate in den Hintergrund. Pick sprach von „aggressivem Verkaufsdruck“.

Die Ärzte, die ihre Selbstzahler-Angebote fachlich in der Regel gänzlich anders bewerten als die Krankenkassen, wehren sich gegen pauschale Verurteilungen. „Es ist falsch, IGeL unter Generalverdacht zu stellen“, sagte Andreas Gassen, Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung. Im individuellen Patientenfall könne IGeL durchaus medizinisch sinnvoll sein. Gassen verwies auf eine Versichertenbefragung, wonach diese Leistungen von Patienten verstärkt nachgefragt werden.

Eines zeigen die Ergebnisse aber sehr deutlich: in der Patientenkommunikation liegt noch viel Potenzial. Eine zielgerichtete und bedürfnisorientierte Kommunikation zu IGeL vermeidet den Eindruck von bloßem Verkauf und vermeidet hässliche Titel in der Bild-Zeitung „Abzocke beim Arzt“.

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